Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH13 Geheimnis

Do, 05.02.2026

Heute geht es um ein irisches Start-up, das Mitte der 2000er Jahre freie Energie versprach und weltweite Aufmerksamkeit erlangte. Die Geschichte dient als reales Fallbeispiel für das Zusammenspiel aus Technik, Hoffnung, Gruppendynamik und Kommunikation.

Ausgangspunkt ist ein kurzer Exkurs zur Geschichte des Magnetmotors, ergänzt durch einen historischen Wochenschau-Beitrag. Anhand typischer Marker wird gezeigt, wie technische Versprechen inszeniert werden und warum sie überzeugend wirken. Diese Muster tauchen später bei Steorn erneut auf.

Im Zentrum der Folge steht die Chronologie von Steorn, basierend auf Barry J. Whytes Buch The Impossible Dream, ergänzt durch eigene Erlebnisse aus Foren, Diskussionen und direkten Gesprächen. Vom wirtschaftlichen Aufbruch des Celtic Tiger über die berühmte Economist-Anzeige bis zum Jury-Statement wird deutlich, wie sich Irrtum, Selbstüberschätzung, Druck und Eskalation gegenseitig verstärken können.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des angewandten Zweifels. Statt pauschaler Skepsis geht es um einen praktischen Werkzeugkasten aus Logik, Psychologie, Rhetorik und Technik. Ziel ist eine heuristische Einschätzung, die mit Wiedervorlage arbeitet und Komplexität zulässt.

Als Fehlschluss der Woche wird Namedropping behandelt. Prominente Namen erzeugen Vertrauen, ersetzen jedoch keine Evidenz. Die Folge zeigt, wie dieses Muster bei Steorn funktioniert und warum es so wirksam ist.

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WH12 Werkzeug

Do, 29.01.2026

Was heißt es eigentlich, „vernünftig“ zu denken? In dieser Folge geht es um Werkzeuge des Zweifelns – und um ihre Grenzen. Ausgangspunkt ist Kapitel 12 des Romans Ware Hoffnung, in dem der Begriff „Werkzeug“ wörtlich genommen wird: als methodisches Instrument, nicht als Abkürzung.

Zunächst geht es um den gesunden Menschenverstand. Er wirkt vertraut und überzeugend, ist aber kein Erkenntniskriterium. Historisch lag er oft daneben, logisch ist er zirkulär, rhetorisch beendet er Diskussionen, statt sie zu führen. Für kritisches Denken ist er deshalb ein Warnsignal, kein Argument.

Im Zentrum der Folge steht Ockhams Rasiermesser. Entgegen der populären Verkürzung ist es kein Wahrheitsprinzip, sondern eine Heuristik. Es greift nur dann, wenn mehrere Erklärungen denselben Sachverhalt gleich gut erklären. Einfachheit ersetzt keine Belege. Wer das übersieht, landet schnell bei unterkomplexen Erklärungen.

Das zeigt der reale Fall von Stanley Meyer besonders deutlich. Seine „Water Fuel Cell“ knüpft an bekannte Effekte wie Elektrolyse und Knallgas an, deutet sie aber um. Begriffe wie HHO oder Brown’s Gas erzeugen Hoffnung auf neue Physik, liefern aber keine belastbaren Messungen. Demonstrationen ersetzen keine Energiebilanz.

Eine BBC-Dokumentation macht sichtbar, wie leicht Funktion suggeriert werden kann, wenn Methodik fehlt. Den Gegenentwurf liefert die Analyse von Mark Chu-Carroll, der Ockhams Rasiermesser korrekt auf ähnliche Behauptungen anwendet.

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WH11 Reaktion

Do, 22.01.2026

Heute geht es um ein Grundmuster pseudowissenschaftlicher Versprechen, das sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Der Aufhänger ist die Frage, wie Gold überhaupt hergestellt werden kann, und warum genau daran so viele Hoffnungen, Täuschungen und Geschäfte geknüpft wurden.

Ausgehend vom Roman Ware Hoffnung und der Figur Sergio Masso führt die Folge zurück in die Geschichte: zu den Goldmachern der frühen Neuzeit und insbesondere zu Marco Bragadino. Seine Karriere zeigt, wie wirksam Inszenierung, gesellschaftliche Netzwerke und Autorität sein können, wenn echte Prüfung fehlt. Bragadino versprach Gold, gewann Fürsten und Senatoren für sich und lebte von Aufschub und Erwartung – bis das Versprechen nicht länger tragfähig war.

Von dort schlägt die Folge den Bogen in die Gegenwart. Begriffe ändern sich, Kulissen auch, doch das Muster bleibt stabil. Große Ankündigungen, beeindruckende Vorführungen und prominente Unterstützer erzeugen Glaubwürdigkeit, lange bevor überprüfbare Ergebnisse vorliegen.

Ein zentraler Teil der Folge widmet sich daher einer begrifflichen Klärung: Was ist der Unterschied zwischen Beweis, Beleg und Evidenz? Warum sind Augenzeugenberichte und persönliche Erfahrungen so überzeugend – und warum reichen sie wissenschaftlich nicht aus? Der historische Weg von Bacon über Locke und Hume bis zu Kuhn und Popper zeigt, wie sich empirisches Denken entwickelt hat und warum Skepsis kein Misstrauen, sondern ein Werkzeug ist.

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WH10 Zeit

Do, 15.01.2026

Wissenschaftlich-kritisches Denken ist kein Misstrauen gegenüber allem, sondern ein Werkzeug zur Orientierung. Es hilft, Behauptungen einzuordnen, ohne sich in Details zu verlieren, und Entscheidungen zu treffen, ohne sich auf Autoritäten oder Bauchgefühl verlassen zu müssen. Genau darum geht es in dieser Folge: Wie lässt sich in einer Welt voller professioneller Versprechen erkennen, was Substanz hat – und was nur gut inszeniert ist?

Diese Folge setzt genau dort an. Ausgangspunkt ist Kapitel 10 „Zeit“, in dem deutlich wird, dass Skepsis allein nicht ausreicht. Statt Misstrauen braucht es ein Werkzeug, mit dem sich Behauptungen einordnen lassen, ohne jedes Detail selbst prüfen zu müssen. Im Zentrum steht deshalb wissenschaftlich-kritisches Denken als alltagstaugliche Methode. Es geht um Fragen wie: Woher weiß ich das eigentlich? Was wäre ein Gegenbeleg? Wie hoch ist mein Risiko, wenn ich mich irre? Und warum Transparenz wichtiger ist als Vertrauen in Autoritäten.

Ein realer Fall, der als Vorlage für eine Romanfigur diente, zeigt, wie Pseudowissenschaft funktioniert. An seinem Beispiel wird sichtbar, wie eine alternative Realität durch Behauptungen, mediale Präsenz und die Umdeutung von Kritik entstehen kann und warum fehlende Belege dabei kein Hindernis sein müssen, solange Zweifel nicht zugelassen werden.

Zum Abschluss der Folge geht es um einen Denkfehler, der solche Fälle begünstigt: die falsche Ausgewogenheit. Warum es nicht fair, sondern irreführend sein kann, jeder Behauptung gleich viel Raum zu geben, und wie man diesen Fehlschluss erkennt und vermeidet.

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WH09 Auftrieb

Do, 08.01.2026

Heute geht es um Qualifikation, Kompetenz und die Grenzen des eigenen Wissens. Ausgangspunkt ist Kapitel 9 des Romans, in dem Matthias Huber und René Starmer überzeugt sind, an einem lösbaren technischen Problem zu arbeiten. Der Gedanke wirkt vertraut: Wenn etwas fast funktioniert, ist es doch nur noch eine Frage der richtigen Umsetzung.

Doch nicht jedes Problem ist ein Ingenieursproblem. Manche Zusammenhänge sind so komplex, dass Vereinfachung nicht zur Lösung führt, sondern in die Irre. Genau hier setzt diese Folge an. Sie zeigt, warum große Entdeckungen in den Grenzbereichen der Physik nicht im Bastelkeller entstehen, sondern in großen Forschungsverbünden, in denen viele Qualifikationen zusammenkommen. Nicht, weil Wissenschaft kompliziert sein will, sondern weil die Effekte, um die es geht, extrem klein und störanfällig sind.

Ein historisches Beispiel dafür ist John Keely, ein Mechaniker des 19. Jahrhunderts, der behauptete, eine neue Energieform entdeckt zu haben. Seine Maschinen beeindruckten, seine Begriffe klangen wissenschaftlich, doch überprüfbare Belege fehlten. Der Fall Keely zeigt exemplarisch, wie technische Komplexität, scheinwissenschaftliche Sprache und die Ablehnung etablierter Methoden zusammenwirken können.

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WH08 Energie

Do, 01.01.2026

Energie steht für Fortschritt, Unabhängigkeit und Zukunft. Wer neue Energie verspricht, verspricht meist mehr als nur eine technische Lösung. Genau deshalb ist der Energiesektor ein besonders fruchtbarer Boden für überzogene Erwartungen, unscharfe Begriffe und pseudowissenschaftliche Geschäftsmodelle.

In dieser Folge steht das achte Kapitel des Romans im Mittelpunkt. Der Protagonist Ricardo Torres präsentiert seinem Team erste Ergebnisse seiner Recherchen und erklärt, warum er sich bei der Suche nach Investitionsobjekten auf den Energiesektor konzentriert. Es geht um etablierte Energieformen, Effizienz, Speicherung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Keine Wunder, keine Abkürzungen, keine großen Versprechen.

Genau von diesem realistischen Ausgangspunkt aus zeigt die Folge, wie leicht der Übergang in problematische Bereiche gelingt. Begriffe wie „Freie Energie“, „Nullpunktenergie“ oder „Raumenergie“ klingen wissenschaftlich, bleiben aber oft unbestimmt. Anhand des bekannten Falls John Bedini wird erläutert, warum funktionierende Geräte und sichtbare Effekte überzeugen können, auch wenn der entscheidende Nachweis fehlt.

Die Folge erklärt, warum Bewegung kein Beweis ist, wie Beweisführung verschoben wird, weshalb akademische Formen Vertrauen erzeugen können und welche Denkfehler dabei eine Rolle spielen. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Muster. Ziel ist es, Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sich Energieversprechen kritisch einordnen lassen – auch ohne Physikstudium.

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WH07 Geld

Do, 25.12.2025

Heute geht es um Geld – und um die gefährliche Mischung aus Gier und Hoffnung. Ausgangspunkt ist Kapitel 7 des Romans, in dem ein Betrüger bewusst nicht selbst zu Wort kommt. Stattdessen wird sichtbar, was er in seinem Umfeld anrichtet und warum so viele Menschen bereit sind, ihm zu glauben.

Mich interessiert, warum große Scams so erfolgreich sind. Warum überzogene Versprechen überzeugen. Warum Warnzeichen ignoriert werden. Und warum gerade gut gemeinte Zukunftsvisionen zu finanziellen Katastrophen führen können.

Anhand eines realen Falls aus dem Bereich „Green Energy“ zeigt die Folge, wie scheinbar plausible Angebote aufgebaut sind, welche Rolle beeindruckende Firmenstrukturen spielen und weshalb Privatanleger oft das Gefühl haben, Teil von etwas Großem zu sein. Es geht nicht um technische Details, sondern um Geschäftsmodelle, Rhetorik und psychologische Hebel.

Wie immer zeige ich einige Werkzeuge, die es ermöglichen, ein Betrugsmodell rechtzeitig zu erkennen, auch ohne über ein umfangreiches Fachwissen zu verfügen.

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WH06 Trickser

Do, 18.12.2025

Kapitel 6 des Romans ist ein Übergangskapitel. Es gibt kaum äußere Handlung, dafür einen Blick in Ricardos Gedanken. Er merkt, dass reines Fachwissen nicht mehr reicht. Die Versprechen werden größer, die Themen komplexer, die Verantwortung schwerer. Er braucht ein neues Werkzeug, um Entscheidungen treffen zu können, obwohl ihm wichtige Informationen fehlen.

In dieser Folge greife ich diese Situation auf und nutze sie, um grundsätzlicher zu werden:
Warum ist der Energiesektor besonders anfällig für Trickser? Welche Rolle spielt Kommunikation bei Täuschungen? Und woran lässt sich erkennen, ob jemand ein Projekt erklärt oder eine Geschichte verkauft?

Anhand realer Fälle aus dem Energie- und Technologiebereich geht es um große Versprechen, professionelle Inszenierung und die Frage, wann aus Irrtum Täuschung wird. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Muster: Wie reden Trickser? Wo treten sie auf? Und warum wirken selbst offensichtliche Unmöglichkeiten manchmal überzeugend?

Wie sieht es im umgekehrten Fall aus, wenn eine Technologie zunächst wie ein Wunder klingt, sich dann aber doch als seriöse Wissenschaft herausstellt?

Wenn es wichtig wird, Realität und Erzählung zu unterscheiden, kommen Werkzeuge des klassischen Debunking ins Spiel. Eines davon stelle ich heute vor.

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WH05 Spiel

Do, 11.12.2025

In der fünften Folge von Ware Hoffnung wird gespielt – allerdings nicht mit Karten, sondern mit Illusionen. Angus McKenna, Gründer der Firma Stiúir Ltd., hat genug von Werbekampagnen und Webseiten. Ihn reizt der Nervenkitzel, die Welt zu täuschen – und vielleicht sich selbst gleich mit. Seine neueste Erfindung ist kein technisches Wunder, sondern ein Kunstwerk aus Glas, Licht und Magneten. Eine Maschine, die nichts tut, außer zu glänzen – und genau darin liegt ihre Wirkung.

Im Zentrum der Folge steht die Frage, warum Menschen immer wieder an das Unmögliche glauben. Warum der Traum vom Perpetuum mobile, von der Maschine, die Energie aus dem Nichts erzeugt, auch nach Jahrhunderten noch fasziniert. Der historische Rückblick auf Johann Bessler zeigt, wie geschickt Täuschung und Wissenschaftsbegeisterung ineinandergreifen können – selbst Fürsten und Mathematiker ließen sich blenden. Und im modernen Dublin taucht dieser Traum erneut auf: in Form der Firma Steorn, die einst mit Anzeigen und Vorführungen von „freier Energie“ Schlagzeilen machte und als reale Vorlage für dieses Kapitelt diente.

Doch Ware Hoffnung bleibt nicht bei der Technik. Es geht um Denkfehler, Selbsttäuschung und die Psychologie des Glaubens: den Bestätigungsfehler, die versunkenen Kosten, den Dunning-Kruger-Effekt. McKenna steht für all das – den Spieler, der immer noch eine Karte mehr zieht, weil er sicher ist, diesmal zu gewinnen. Und während seine Maschine surrt und leuchtet, erkennt man: Das eigentliche Spiel findet nicht im Labor statt, sondern in unseren Köpfen.

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WH04 Genie

Do, 04.12.2025

Diese Folge behandelt Kapitel 4 des Romans Ware Hoffnung. Der bereits aus Kapitel 2 bekannte Sergio Masso bereitet seinen nächsten großen Coup vor. Er will der Welt zeigen, dass er angeblich die „kalte Fusion“ beherrscht – eine Energiequelle, die so revolutionär wäre, dass sie alle bekannten Technologien überflüssig machen würde. Doch schnell wird klar: Masso interessiert sich weniger für Physik als für die Wirkung einer guten Inszenierung.

Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen solcher Experimente. Was macht sie so überzeugend, obwohl sie wissenschaftlich kaum haltbar sind? Warum können selbst erfahrene Wissenschaftler auf eine clevere Show hereinfallen? Und weshalb reicht manchmal ein Kittel, ein Diagramm und ein energischer Tonfall, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen?

Außerdem erkläre ich, was hinter dem Begriff „kalte Fusion“ eigentlich steckt – und warum dieser Traum bis heute nicht eingelöst wurde. Massos Versuch, den Anschein eines Genies zu erwecken, ist ein gutes Beispiel dafür, wie leicht sich Hoffnung instrumentalisieren lässt.

Folge vier zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Wissenschaft und Scheinwissenschaft werden kann, sobald jemand bereit ist, die richtigen Bilder zu liefern – und die falschen Versprechen dazu.

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