Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH18 Kompetenz

Do, 12.03.2026  >   1 Kommentar

Was braucht man, um spektakuläre Technologieversprechen beurteilen zu können? Ein Physikstudium? Ein eigenes Labor? Oder reicht gesunder Zweifel?

Heute werfen wir gemeinsam einen Blick auf eine angebliche Wunderbatterie. Sie soll Elektroautos revolutionieren, extrem langlebig sein und die gesamte Branche auf den Kopf stellen. Die Ankündigungen klingen beeindruckend. Doch statt sie einfach zu glauben oder reflexhaft abzulehnen, machen wir etwas anderes: Wir untersuchen sie wie ein Detektiv.

Schritt für Schritt sammeln wir Indizien. Wo sitzt das Unternehmen eigentlich? Wer arbeitet dort? Welche unabhängigen Belege gibt es? Was zeigen die angekündigten Tests wirklich?

Dabei entsteht ein Live-Debunking zum selbst mitdenken. Jedes einzelne Indiz lässt sich erklären oder relativieren. Doch in der Summe entsteht ein Bild, das deutlich aussagekräftiger ist als jede einzelne Behauptung.

Episodenbild: Cullen328, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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WH17 Überzeugung

Do, 05.03.2026  >   2 Kommentare

Überzeugung fühlt sich gut an. Sie gibt Orientierung, Sinn und das Gefühl, zu denjenigen zu gehören, die „verstanden haben, was wirklich los ist“. Genau deshalb können starke Geschichten manchmal überzeugender wirken als gute Belege.

Die Romanfigur Matthias Huber analysiert Bilder, sucht Muster und ist überzeugt, einer großen Wahrheit auf der Spur zu sein. Seine Denkweise ist kein exotischer Sonderfall. Sie zeigt Mechanismen, die in uns allen wirken.

Von dort führt der Weg zu einem der erfolgreichsten Autoren pseudowissenschaftlicher Literatur: Erich von Däniken. Seine Bücher über Astronautengötter haben weltweit Millionen Leser gefunden. Warum üben solche Ideen eine so große Faszination aus?

Ein Bericht über einen echten von-Däniken-Vortrag liefert die Antwort. Hunderte Zuhörer erleben dort eine beeindruckende Kaskade aus historischen Orten, religiösen Texten, geometrischen Mustern und wissenschaftlich klingenden Begriffen. Jede einzelne Behauptung wirkt wie eine interessante Anekdote. Erst die Wucht der Menge erzeugt das Gefühl, eine große Wahrheit entdeckt zu haben.

Doch genau hier lohnt sich ein genauerer Blick. Welche rhetorischen Techniken kommen zum Einsatz? Warum geraten Wissenschaftler in ein Dilemma, wenn sie auf solche Behauptungen reagieren? Und weshalb ist es manchmal schwerer, Unsinn zu widerlegen, als ihn zu behaupten?

Zum Schluss zeigt die Folge, wie spielerisch angewandter Zweifel funktionieren kann. Kritisches Denken muss kein trockener Korrekturmechanismus sein. Es kann genauso Neugier, Staunen und Entdeckerlust wecken.

Oder anders gesagt: Gute Fragen können spannender sein als schnelle Antworten.

Episodenbild: Blender-Nachbau des Buchcovers The Spaceships of Ezekiel, Josef F. Blumrich, von @Impertinenzija@mastodon.social

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WH16 Sterne

Do, 26.02.2026

Ein Blick in den Sternenhimmel genügt, und unser Gehirn beginnt, Muster zu erkennen. Seit Jahrtausenden erzählen wir Geschichten über das, was wir sehen – und über das, was wir zu verstehen glauben. Mythen entstehen aus Staunen, aus Unsicherheit und aus dem Bedürfnis nach Ordnung.

In dieser Folge geht es um genau diesen Mechanismus. Am Beispiel von Nikola Tesla schauen wir uns an, wie aus einem begabten Erfinder ein überhöhtes Genie wurde und wie sich aus realen Ereignissen hartnäckige Mythen entwickeln. Welche Rolle spielen dabei vereinfachte Erzählungen, wirtschaftliche Konflikte und menschliche Projektionen?

Außerdem interessiert mich die Frage: Wenn Mythen unsere evolutionären Stärken nutzen – Mustererkennung, Emotion, Gemeinschaft –, kann kritisches Denken mithalten? Oder braucht es eine neue Form des angewandten Zweifels?

Ein Gedankenspiel zwischen Psychologie, Technikgeschichte und der Idee, Zweifel vielleicht spielerisch neu zu denken.

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WH15 Auftrag

Do, 19.02.2026

In dieser Folge geht es um einen Fall, der wie gemacht ist für Ware Hoffnung: Garabed T. K. Giragossian tritt 1918 in Washington auf und verspricht eine Maschine, die Energie ohne Grenzen liefern soll. Der Zeitpunkt ist perfekt gewählt. Im Krieg zählt jedes Prozent Logistik, jedes Schiff, jede Tonne Brennstoff. Aus einer technischen Behauptung wird damit ein politisches Risiko-Spiel: Wenn es stimmt, verändert es alles.

Wir rekonstruieren, wie Giragossian überhaupt in den Kongress gelangte, wer ihn stützte und warum Charakterzeugnisse zeitweise mehr Gewicht hatten als Spezifikationen. Dann folgt der Moment, an dem die Geschichte Bodenhaftung bekommt: die wissenschaftliche Prüfung, das Urteil und die anschließende öffentliche Einordnung der Konstruktion.

Das Thema verschwindet danach allerdings nicht, es wandert in Gesetzestexte, Amendments und Senatsberichte und taucht Jahre später erneut auf. Genau hier zeigt sich, wie Institutionen, Prestige und Präzedenzfragen eine Legende am Leben halten können.

Im Segment „Angewandter Zweifel“ nutzen wir Pascalsche Wette als Denkmodell für strategische Entscheidungen. Als „Fehlschluss der Woche“ folgt der Emotionsappell: Giragossians Rhetorik arbeitet mit Pflichtgefühl, Hoffnung und Verlustangst. Zum Abschluss schauen wir darauf, wie aus dem Fall bis heute Verschwörungsmythen entstehen, inklusive der typischen Unterdrückungs-Erzählung.

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WH13 Geheimnis

Do, 05.02.2026

Heute geht es um ein irisches Start-up, das Mitte der 2000er Jahre freie Energie versprach und weltweite Aufmerksamkeit erlangte. Die Geschichte dient als reales Fallbeispiel für das Zusammenspiel aus Technik, Hoffnung, Gruppendynamik und Kommunikation.

Ausgangspunkt ist ein kurzer Exkurs zur Geschichte des Magnetmotors, ergänzt durch einen historischen Wochenschau-Beitrag. Anhand typischer Marker wird gezeigt, wie technische Versprechen inszeniert werden und warum sie überzeugend wirken. Diese Muster tauchen später bei Steorn erneut auf.

Im Zentrum der Folge steht die Chronologie von Steorn, basierend auf Barry J. Whytes Buch The Impossible Dream, ergänzt durch eigene Erlebnisse aus Foren, Diskussionen und direkten Gesprächen. Vom wirtschaftlichen Aufbruch des Celtic Tiger über die berühmte Economist-Anzeige bis zum Jury-Statement wird deutlich, wie sich Irrtum, Selbstüberschätzung, Druck und Eskalation gegenseitig verstärken können.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des angewandten Zweifels. Statt pauschaler Skepsis geht es um einen praktischen Werkzeugkasten aus Logik, Psychologie, Rhetorik und Technik. Ziel ist eine heuristische Einschätzung, die mit Wiedervorlage arbeitet und Komplexität zulässt.

Als Fehlschluss der Woche wird Namedropping behandelt. Prominente Namen erzeugen Vertrauen, ersetzen jedoch keine Evidenz. Die Folge zeigt, wie dieses Muster bei Steorn funktioniert und warum es so wirksam ist.

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