Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH20 Verschwörung

Do, 26.03.2026

Im Kapitel „Verschwörung“ aus Ware Hoffnung trifft Ricardo Torres auf einem Flug nach Edinburgh auf einen Mann, für den nichts einfach nur geschieht. Aus einem Gespräch über Umwelt und Technik entwickelt sich Schritt für Schritt ein geschlossenes Weltbild, in dem Zufall keinen Platz mehr hat.

Diese Folge nimmt genau diesen Gedanken auseinander. Ausgangspunkt ist die Chemtrail-Erzählung, aber es geht um mehr als nur um ein bekanntes Verschwörungsthema. Spannend ist vor allem, wie solche Erklärungen aufgebaut sind. Welche rhetorischen Muster tauchen immer wieder auf? Wie wirken Fachbegriffe, Autoritäten und angebliche Beweise? Und was passiert, wenn der Satz „Das kann kein Zufall sein“ zur Grundhaltung wird?

Von dort führt die Folge tiefer. Es geht um Zufall in der Natur, um unsere Schwierigkeiten, ihn auszuhalten, um Synchronizität, motiviertes Denken und die Frage, warum widersprechende Informationen oft nicht zum Umdenken führen, sondern ein Weltbild sogar noch stabilisieren.

Eine Folge über Chemtrails, aber vor allem über etwas viel Grundsätzlicheres: unseren Drang, Muster zu sehen, Sinn zu suchen und aus Unsicherheit Gewissheit zu machen.

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WH17 Überzeugung

Do, 05.03.2026  >   2 Kommentare

Überzeugung fühlt sich gut an. Sie gibt Orientierung, Sinn und das Gefühl, zu denjenigen zu gehören, die „verstanden haben, was wirklich los ist“. Genau deshalb können starke Geschichten manchmal überzeugender wirken als gute Belege.

Die Romanfigur Matthias Huber analysiert Bilder, sucht Muster und ist überzeugt, einer großen Wahrheit auf der Spur zu sein. Seine Denkweise ist kein exotischer Sonderfall. Sie zeigt Mechanismen, die in uns allen wirken.

Von dort führt der Weg zu einem der erfolgreichsten Autoren pseudowissenschaftlicher Literatur: Erich von Däniken. Seine Bücher über Astronautengötter haben weltweit Millionen Leser gefunden. Warum üben solche Ideen eine so große Faszination aus?

Ein Bericht über einen echten von-Däniken-Vortrag liefert die Antwort. Hunderte Zuhörer erleben dort eine beeindruckende Kaskade aus historischen Orten, religiösen Texten, geometrischen Mustern und wissenschaftlich klingenden Begriffen. Jede einzelne Behauptung wirkt wie eine interessante Anekdote. Erst die Wucht der Menge erzeugt das Gefühl, eine große Wahrheit entdeckt zu haben.

Doch genau hier lohnt sich ein genauerer Blick. Welche rhetorischen Techniken kommen zum Einsatz? Warum geraten Wissenschaftler in ein Dilemma, wenn sie auf solche Behauptungen reagieren? Und weshalb ist es manchmal schwerer, Unsinn zu widerlegen, als ihn zu behaupten?

Zum Schluss zeigt die Folge, wie spielerisch angewandter Zweifel funktionieren kann. Kritisches Denken muss kein trockener Korrekturmechanismus sein. Es kann genauso Neugier, Staunen und Entdeckerlust wecken.

Oder anders gesagt: Gute Fragen können spannender sein als schnelle Antworten.

Episodenbild: Blender-Nachbau des Buchcovers The Spaceships of Ezekiel, Josef F. Blumrich, von @Impertinenzija@mastodon.social

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