Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH08 Energie

Do, 01.01.2026

Energie steht für Fortschritt, Unabhängigkeit und Zukunft. Wer neue Energie verspricht, verspricht meist mehr als nur eine technische Lösung. Genau deshalb ist der Energiesektor ein besonders fruchtbarer Boden für überzogene Erwartungen, unscharfe Begriffe und pseudowissenschaftliche Geschäftsmodelle.

In dieser Folge steht das achte Kapitel des Romans im Mittelpunkt. Der Protagonist Ricardo Torres präsentiert seinem Team erste Ergebnisse seiner Recherchen und erklärt, warum er sich bei der Suche nach Investitionsobjekten auf den Energiesektor konzentriert. Es geht um etablierte Energieformen, Effizienz, Speicherung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Keine Wunder, keine Abkürzungen, keine großen Versprechen.

Genau von diesem realistischen Ausgangspunkt aus zeigt die Folge, wie leicht der Übergang in problematische Bereiche gelingt. Begriffe wie „Freie Energie“, „Nullpunktenergie“ oder „Raumenergie“ klingen wissenschaftlich, bleiben aber oft unbestimmt. Anhand des bekannten Falls John Bedini wird erläutert, warum funktionierende Geräte und sichtbare Effekte überzeugen können, auch wenn der entscheidende Nachweis fehlt.

Die Folge erklärt, warum Bewegung kein Beweis ist, wie Beweisführung verschoben wird, weshalb akademische Formen Vertrauen erzeugen können und welche Denkfehler dabei eine Rolle spielen. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Muster. Ziel ist es, Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sich Energieversprechen kritisch einordnen lassen – auch ohne Physikstudium.

Links:

WH03 Sturm

Do, 27.11.2025

In der dritten Folge von Ware Hoffnung wird es stiller – und zugleich komplexer. Während draußen ein Herbststurm tobt, kämpft Ricardo Torres drinnen mit einem anderen Sturm: dem der widersprüchlichen Informationen. Er soll entscheiden, welche der vielen angeblich bahnbrechenden Technologien wirklich funktionieren und welche nur gut verkauft werden. Doch Ricardo ist kein Wissenschaftler. Er hat keinen Werkzeugkasten des kritischen Denkens, nur Neugier, Intuition, Erfahrung und das Bedürfnis, zum bestmöglichen Ergebnis zu gelangen.

In dieser Episode geht es darum, wie schwer es ist, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden, wenn alles glaubwürdig klingt. Wir sprechen über den Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft, über typische Warnzeichen und darüber, warum Irrtümer keine Schwäche sind, sondern die Grundlage von Erkenntnis. Außerdem gibt es einen Blick hinter die Kulissen eines aktuellen Falls: ein angeblich revolutionäres Gerät, das Energie aus dem Nichts erzeugen soll. Was steckt wirklich dahinter, und warum greifen Menschen nach solchen Versprechen?

„Sturm“ ist die erste Folge, in der Ricardos persönliche Zweifel im Mittelpunkt stehen. Sie markiert den Übergang von der Beobachtung zur Erkenntnis und zeigt, dass kritisches Denken nicht mit Wissen beginnt, sondern mit der Bereitschaft zu fragen: Was, wenn ich mich irre?

Links und Quellen:

Esoterik für Männer: Der Magnetmotor

Sa, 05.08.2023

An meine ersten Experimente mit Magneten kann ich mich noch gut erinnern. Mein Vater brachte mir diese schwarzen Magnetstreifen mit, die in Kühlschranktüren verbaut sind. Je nachdem, wie man sie hält, ziehen sie sich an oder stoßen sich ab. Diese Kräfte sollten sich doch irgendwie nutzen lassen und so versuchte ich, Magnetstücke kreisförmig auf einer Scheibe anzuordnen und in eine Drehbewegung zu versetzen.

Das funktionierte natürlich nur so lange, wie ich einen weiteren Magneten am Rand der Scheibe bewegte. Eine völlig selbsttätige Bewegung war so nicht zu erreichen, wie ich bald feststellte.

Diese Erkenntnis hatten viele erwachsene Menschen bis heute nicht und so ist diese Konstruktion immer noch ein beliebtes Geschäftsmodell, um Leute mit mehr Geld als Hirn von ihrem Ersparten zu trennen.

Die ersten Aufzeichungen über eine derartige Konstruktion stammen aus dem Jahr 1269 von Petrus Peregrinus de Maricourt, der ein Rad beschrieb, das sich nur durch die Kraft von Permanentmagneten dauerhaft drehen sollte. Möglicherweise war das einfach nur ein Gedankenexperiment, das aber bis heute in Freie-Energie-Kreisen als Beweis gewertet wird, dass ein magnetbasiertes Perpetuum mobile funktionieren kann. Magnetismus ist, ebenso wie Gravitation, eine konservative Kraft. Es ist also nicht möglich, aus einem solchen Feld dauerhaft Energie zu ziehen.

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Die Sache mit dem Wasserauto

Mi, 26.07.2023

Einer der ersten Freie-Energie-Scams, die mir über den Weg gelaufen sind, war das Wasserauto. Das muss ca. 2003 gewesen sein. Zeitungen berichteten über einen Erfinder, der sein Auto nur mit Wasser betankt. Auto-Bild schickte sogar mehrmals Reporter nach Manila, um das Wunderwerk zu besichtigen, probezufahren und den Fortschritt der Entwicklung zu dokumentieren.

Die behauptete Funktionsweise eines Wasserautos sieht so aus:

Mit Hilfe der Batteriespannung wird ein Elektrolysator betrieben, der gewöhnliches Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Dieses Gemisch, in der Szene oft HHO oder Browns Gas genannt (in Wirklichkeit gewöhnliches Knallgas), wird dem Verbrennungsmotor als Treibstoff zugeführt. Über die Lichtmaschine wird die Batterie, genauer der Akkumulator, ständig aufgeladen.

Mir kamen die Behauptungen damals sofort sehr seltsam vor. Bei der Verbrennung des Knallgases entsteht Wasser. Also wäre es, glaubt man den Wassertoff-Tüftlern, doch kein Problem, dieses einzufangen und wieder in den Tank zu leiten. Schon hätten wir eine immerwährende Maschine, ein Perpetuum mobile, das ohne Zufuhr von Energie funktioniert und dabei auch noch Arbeit verrichten kann. Der Wirkungsgrad wäre also größer als 100%.

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Der erste Roman – und ein Blog dazu

Mi, 05.07.2023

Ein eigenes Buch schreiben – den Wunsch hatte ich schon ungefähr seit ich lesen kann. Vor vielen Jahren hatte ich einen Anfang gemacht, es sollte ein Reiseroman werden, aber dann waren andere Dinge wichtiger und so blieb das angefangene Manuskript liegen und verschwand irgendwann mitsamt der 5¼-Zoll-Diskette, auf der es gespeichert war.

Dann ergab es sich zwar, dass ich etwas Zeit für dieses Vorhaben hatte, aber mir fiel es schwer, ein passendes Thema zu finden. Eigentlich habe ich ja nichts erlebt, worüber ich schreiben konnte und das zu einem spannenden Roman führen würde. Für ein Sachbuch dagegen fehlte mir das notwendige umfassende Fachwissen auf einem bestimmten Gebiet, so dachte ich.

Seit ca. 2006 beschäftige ich mich recht intensiv mit Pseudowissenschaften und diversen Schwurbeleien, Verschwörungstheorien und Glaubenssystemen. In verschiedenen Foren habe ich mich gemeinsam mit anderen Interessierten mit diesem Thema auseinandergesetzt, Debunking betrieben, technische Vorrichtungen analysiert, die Physik dahinter verstanden und Erklärungen herausgearbeitet, warum etwas nicht funktionieren kann. Das macht eine Menge Spaß und ist lehrreich. Oft ging es dabei um „Freie Energie“, einen Begriff, der im Prinzip ein Perpetuum mobile beschreibt. Da sich aber allgemein herumgesprochen hat, dass Energie nicht aus dem Nichts entsteht, werden fantasievolle und geheimnisvolle Quellen ins Spiel gebracht, um diese Lücke zu füllen.

Nun tummeln sich in dieser Freie-Energie-Szene aber nicht nur verwirrte Bastler, sondern auch eine Menge Betrüger, die große Hoffnungen auf eine umweltfreundliche und endlose Energiequelle schüren und damit durchaus potente Geldgeber überzeugen, in eine Scheininnovation zu investieren.

Daraus sollte sich doch ein Buchthema machen lassen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Nenne ich die Betrüger beim Namen, bezeichne ihre Aktionen als das, was sie sind, eben Betrug, habe ich sehr schnell deren bestens bezahlte Anwälte am Hals. Selbst wenn ich im Recht wäre, hätte ich ihnen kaum etwas entgegenzusetzen, da erst mal eine Menge Kosten auf mich zukämen.

So blieb also nur die Fiktion als Ausweg. Und dann ging alles ganz schnell. Die Idee zum Roman „Ware Hoffnung“ entstand in wenigen Tagen, die gesamte Handlung entwickelte sich in meinem Kopf, schnell war ein Anfang gemacht und die ersten Seiten geschrieben. Natürlich war noch einige Recherche notwendig, um trotz aller Fantasie eine faktensichere Geschichte entwickeln zu können. Ich habe die Aufzeichnungen der vergangenen Jahre durchgearbeitet, Bücher gelesen, Filme über Perpetuum-mobile-Bauer angeschaut, in den Forenarchiven gestöbert, mein Wissen in Physik und Chemie ein wenig aufgefrischt und mir Charaktere ausgedacht, die es so oder ähnlich tatsächlich geben könnte.

In diesem Blog möchte ich ein wenig über die Entstehungsgeschichte des Romans berichten, über all das, was ich seit 2006 erlebt habe, mich mit verschiedenen Pseudowissenschaften auseinandersetzen und unterhaltsame Aufklärung betreiben, hoffentlich ohne die negativen Folgen, die der Protagonist des Romans, Ricardo Torres, erleben musste.

Über Themenvorschläge in den Kommentaren freue ich mich jederzeit.