Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH10 Zeit

Do, 15.01.2026

Wissenschaftlich-kritisches Denken ist kein Misstrauen gegenüber allem, sondern ein Werkzeug zur Orientierung. Es hilft, Behauptungen einzuordnen, ohne sich in Details zu verlieren, und Entscheidungen zu treffen, ohne sich auf Autoritäten oder Bauchgefühl verlassen zu müssen. Genau darum geht es in dieser Folge: Wie lässt sich in einer Welt voller professioneller Versprechen erkennen, was Substanz hat – und was nur gut inszeniert ist?

Diese Folge setzt genau dort an. Ausgangspunkt ist Kapitel 10 „Zeit“, in dem deutlich wird, dass Skepsis allein nicht ausreicht. Statt Misstrauen braucht es ein Werkzeug, mit dem sich Behauptungen einordnen lassen, ohne jedes Detail selbst prüfen zu müssen. Im Zentrum steht deshalb wissenschaftlich-kritisches Denken als alltagstaugliche Methode. Es geht um Fragen wie: Woher weiß ich das eigentlich? Was wäre ein Gegenbeleg? Wie hoch ist mein Risiko, wenn ich mich irre? Und warum Transparenz wichtiger ist als Vertrauen in Autoritäten.

Ein realer Fall, der als Vorlage für eine Romanfigur diente, zeigt, wie Pseudowissenschaft funktioniert. An seinem Beispiel wird sichtbar, wie eine alternative Realität durch Behauptungen, mediale Präsenz und die Umdeutung von Kritik entstehen kann und warum fehlende Belege dabei kein Hindernis sein müssen, solange Zweifel nicht zugelassen werden.

Zum Abschluss der Folge geht es um einen Denkfehler, der solche Fälle begünstigt: die falsche Ausgewogenheit. Warum es nicht fair, sondern irreführend sein kann, jeder Behauptung gleich viel Raum zu geben, und wie man diesen Fehlschluss erkennt und vermeidet.

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WH02 Gift

Do, 20.11.2025

In der zweiten Folge von Ware Hoffnung rückt eine Figur in den Mittelpunkt, die für den weiteren Romanverlauf besonders wichtig ist: Sergio Masso. Deshalb fällt der Leseteil diesmal etwas länger aus.

Masso ist im Roman so etwas wie der Prototyp des Hoffnungshändlers: jemand, der gelernt hat, technische Begriffe, Umweltversprechen und große Zukunftsbilder zu kombinieren, um daraus ein Geschäftsmodell zu machen. Im Kapitel „Gift“ begegnen wir ihm an einem Wendepunkt seines Lebens – frisch aus dem Gefängnis, voller neuer Pläne und mit einem erstaunlich ungebrochenen Selbstvertrauen.

Es geht heute um Giftmüll, um ein angeblich revolutionäres Pyrolyse-Verfahren und um die Frage, wie man eine schmutzige Realität mit einer sauberen Geschichte übertüncht.

In dieser Folge gibt es auch eine konkrete Anwendung des kritischen Denkens: Wir sprechen darüber, wie sich Hoffnung als Verkaufsargument nutzen lässt, warum wissenschaftlich klingende Sprache so überzeugend wirkt und wie man einfache Prüfungen vornehmen kann – etwa bei groß angekündigten „Patenten“ oder technischen Wunderversprechen. Es geht nicht darum, jede Idee reflexhaft abzulehnen, sondern darum, ein paar Werkzeuge an die Hand zu bekommen, mit denen sich Realität und Story besser unterscheiden lassen.

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