Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH06 Trickser

Do, 18.12.2025

Kapitel 6 des Romans ist ein Übergangskapitel. Es gibt kaum äußere Handlung, dafür einen Blick in Ricardos Gedanken. Er merkt, dass reines Fachwissen nicht mehr reicht. Die Versprechen werden größer, die Themen komplexer, die Verantwortung schwerer. Er braucht ein neues Werkzeug, um Entscheidungen treffen zu können, obwohl ihm wichtige Informationen fehlen.

In dieser Folge greife ich diese Situation auf und nutze sie, um grundsätzlicher zu werden:
Warum ist der Energiesektor besonders anfällig für Trickser? Welche Rolle spielt Kommunikation bei Täuschungen? Und woran lässt sich erkennen, ob jemand ein Projekt erklärt oder eine Geschichte verkauft?

Anhand realer Fälle aus dem Energie- und Technologiebereich geht es um große Versprechen, professionelle Inszenierung und die Frage, wann aus Irrtum Täuschung wird. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Muster: Wie reden Trickser? Wo treten sie auf? Und warum wirken selbst offensichtliche Unmöglichkeiten manchmal überzeugend?

Wie sieht es im umgekehrten Fall aus, wenn eine Technologie zunächst wie ein Wunder klingt, sich dann aber doch als seriöse Wissenschaft herausstellt?

Wenn es wichtig wird, Realität und Erzählung zu unterscheiden, kommen Werkzeuge des klassischen Debunking ins Spiel. Eines davon stelle ich heute vor.

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Esoterik für Männer: Der Magnetmotor

Sa, 05.08.2023

An meine ersten Experimente mit Magneten kann ich mich noch gut erinnern. Mein Vater brachte mir diese schwarzen Magnetstreifen mit, die in Kühlschranktüren verbaut sind. Je nachdem, wie man sie hält, ziehen sie sich an oder stoßen sich ab. Diese Kräfte sollten sich doch irgendwie nutzen lassen und so versuchte ich, Magnetstücke kreisförmig auf einer Scheibe anzuordnen und in eine Drehbewegung zu versetzen.

Das funktionierte natürlich nur so lange, wie ich einen weiteren Magneten am Rand der Scheibe bewegte. Eine völlig selbsttätige Bewegung war so nicht zu erreichen, wie ich bald feststellte.

Diese Erkenntnis hatten viele erwachsene Menschen bis heute nicht und so ist diese Konstruktion immer noch ein beliebtes Geschäftsmodell, um Leute mit mehr Geld als Hirn von ihrem Ersparten zu trennen.

Die ersten Aufzeichungen über eine derartige Konstruktion stammen aus dem Jahr 1269 von Petrus Peregrinus de Maricourt, der ein Rad beschrieb, das sich nur durch die Kraft von Permanentmagneten dauerhaft drehen sollte. Möglicherweise war das einfach nur ein Gedankenexperiment, das aber bis heute in Freie-Energie-Kreisen als Beweis gewertet wird, dass ein magnetbasiertes Perpetuum mobile funktionieren kann. Magnetismus ist, ebenso wie Gravitation, eine konservative Kraft. Es ist also nicht möglich, aus einem solchen Feld dauerhaft Energie zu ziehen.

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