Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

Trickser erkennen ohne Experte zu sein – Wie Kommunikation Täuschung verrät. TL;DR zu Folge WH06 „Trickser“

Do, 18.12.2025

In der sechsten Folge von Ware Hoffnung verschiebt sich der Fokus. Es geht weniger um einzelne spektakuläre Technologien, sondern um eine grundsätzliche Frage: Wie trifft man Entscheidungen, wenn man gar nicht alles verstehen kann? Die Romanfigur Ricardo steht genau an diesem Punkt. Er arbeitet sich durch immer mehr Informationen, merkt aber, dass vollständiges Verständnis unmöglich ist. Hinter jeder Antwort warten neue Fragen. Das Problem ist nicht Unwissen – sondern Überforderung. Genau hier beginnt kritisches Denken. Nicht als vollständiges Wissen, sondern als Umgang mit Unsicherheit. Wer Entscheidungen treffen muss, braucht Werkzeuge, die auch dann funktionieren, wenn Detailwissen fehlt. Solche Werkzeuge nennt man Heuristiken: einfache Regeln, die helfen, Plausibilität einzuschätzen.

Ein Beispiel ist Ockhams Rasiermesser: Wenn eine Behauptung nur funktioniert, wenn gleichzeitig alle bisherigen Erkenntnisse falsch sind, ist sie wahrscheinlich selbst das Problem. Ein anderes Kriterium: Lässt sich eine Aussage überhaupt überprüfen? Wenn sie sich weder testen noch widerlegen lässt, gehört sie nicht in die Wissenschaft, sondern in den Bereich der Behauptungen. Die Folge zeigt, dass Täuschung selten an der Technik zu erkennen ist. Entscheidend ist die Art der Kommunikation. Das wird anhand realer Fälle deutlich.

Beim PerendevMagnetmotor standen nicht Messwerte im Mittelpunkt, sondern Videos: dunkle Räume, eingeschränkte Sicht, keine unabhängige Prüfung. Wo Daten fehlen, tritt Inszenierung an ihre Stelle.

Im Fall der GFE Energy AG war die Strategie völlig anders. Keine mystischen Versprechen, sondern bodenständige Ansprache. Nähe, Vertrauen, vermeintlich solides Ingenieurwissen. Die Täuschung wirkte gerade deshalb glaubwürdig, weil sie nicht spektakulär war.

Theranos schließlich zeigt die extremste Form. Eine perfekte Inszenierung aus Design, Sprache und Autorität. Große Namen im Hintergrund, große Visionen im Vordergrund – und kaum überprüfbare Daten.

Diese Fälle wirken unterschiedlich, folgen aber demselben Prinzip:
Nicht die Technik überzeugt – sondern die Geschichte.

Ein wichtiger Punkt der Folge ist deshalb die Rolle der Kommunikation. Trickser verraten sich oft nicht durch das, was sie behaupten, sondern durch das, was sie vermeiden: überprüfbare Daten, offene Tests, kritische Diskussion. Gleichzeitig warnt die Folge vor einem einfachen Gegenschluss. Nicht alles, was ungewöhnlich klingt, ist automatisch falsch. Es gibt reale Technologien, die zunächst unglaublich wirkten – etwa Quantencomputer oder Supraleiter. Der Unterschied liegt nicht in der Idee, sondern in der Arbeitsweise: offene Forschung, überprüfbare Ergebnisse, nachvollziehbare Grenzen.

Die zentrale Heuristik lautet daher: Nicht alles Neue ist Betrug. Aber alles, was sich systematisch der Überprüfung entzieht, ist verdächtig.

Für Ricardo bedeutet das einen Wendepunkt. Er beginnt zu verstehen, dass er nicht alles wissen muss. Aber er kann lernen, Muster zu erkennen – besonders in der Art, wie über Technik gesprochen wird.


Die wichtigsten Punkte der Folge

  • Vollständiges Wissen ist oft unmöglich – Entscheidungen brauchen andere Werkzeuge.
  • Heuristiken helfen, Plausibilität einzuschätzen.
  • Täuschung zeigt sich häufig in der Kommunikation, nicht in der Technik.
  • Unterschiedliche Betrugsfälle nutzen unterschiedliche Inszenierungen.
  •  Der entscheidende Unterschied liegt in Überprüfbarkeit und Transparenz.

Die Folge markiert damit einen Übergang: Weg von einzelnen Geschichten hin zu den Werkzeugen, mit denen man sie verstehen kann.

Denn wer gelernt hat, auf das Wie zu achten, erkennt Täuschungen oft früher – lange bevor die Technik überhaupt eine Rolle spielt.

WH06 Trickser

Do, 18.12.2025

Kapitel 6 des Romans ist ein Übergangskapitel. Es gibt kaum äußere Handlung, dafür einen Blick in Ricardos Gedanken. Er merkt, dass reines Fachwissen nicht mehr reicht. Die Versprechen werden größer, die Themen komplexer, die Verantwortung schwerer. Er braucht ein neues Werkzeug, um Entscheidungen treffen zu können, obwohl ihm wichtige Informationen fehlen.

In dieser Folge greife ich diese Situation auf und nutze sie, um grundsätzlicher zu werden:
Warum ist der Energiesektor besonders anfällig für Trickser? Welche Rolle spielt Kommunikation bei Täuschungen? Und woran lässt sich erkennen, ob jemand ein Projekt erklärt oder eine Geschichte verkauft?

Anhand realer Fälle aus dem Energie- und Technologiebereich geht es um große Versprechen, professionelle Inszenierung und die Frage, wann aus Irrtum Täuschung wird. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Muster: Wie reden Trickser? Wo treten sie auf? Und warum wirken selbst offensichtliche Unmöglichkeiten manchmal überzeugend?

Wie sieht es im umgekehrten Fall aus, wenn eine Technologie zunächst wie ein Wunder klingt, sich dann aber doch als seriöse Wissenschaft herausstellt?

Wenn es wichtig wird, Realität und Erzählung zu unterscheiden, kommen Werkzeuge des klassischen Debunking ins Spiel. Eines davon stelle ich heute vor.

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Esoterik für Männer: Der Magnetmotor

Sa, 05.08.2023

An meine ersten Experimente mit Magneten kann ich mich noch gut erinnern. Mein Vater brachte mir diese schwarzen Magnetstreifen mit, die in Kühlschranktüren verbaut sind. Je nachdem, wie man sie hält, ziehen sie sich an oder stoßen sich ab. Diese Kräfte sollten sich doch irgendwie nutzen lassen und so versuchte ich, Magnetstücke kreisförmig auf einer Scheibe anzuordnen und in eine Drehbewegung zu versetzen.

Das funktionierte natürlich nur so lange, wie ich einen weiteren Magneten am Rand der Scheibe bewegte. Eine völlig selbsttätige Bewegung war so nicht zu erreichen, wie ich bald feststellte.

Diese Erkenntnis hatten viele erwachsene Menschen bis heute nicht und so ist diese Konstruktion immer noch ein beliebtes Geschäftsmodell, um Leute mit mehr Geld als Hirn von ihrem Ersparten zu trennen.

Die ersten Aufzeichungen über eine derartige Konstruktion stammen aus dem Jahr 1269 von Petrus Peregrinus de Maricourt, der ein Rad beschrieb, das sich nur durch die Kraft von Permanentmagneten dauerhaft drehen sollte. Möglicherweise war das einfach nur ein Gedankenexperiment, das aber bis heute in Freie-Energie-Kreisen als Beweis gewertet wird, dass ein magnetbasiertes Perpetuum mobile funktionieren kann. Magnetismus ist, ebenso wie Gravitation, eine konservative Kraft. Es ist also nicht möglich, aus einem solchen Feld dauerhaft Energie zu ziehen.

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