Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH13 Geheimnis

Do, 05.02.2026

Heute geht es um ein irisches Start-up, das Mitte der 2000er Jahre freie Energie versprach und weltweite Aufmerksamkeit erlangte. Die Geschichte dient als reales Fallbeispiel für das Zusammenspiel aus Technik, Hoffnung, Gruppendynamik und Kommunikation.

Ausgangspunkt ist ein kurzer Exkurs zur Geschichte des Magnetmotors, ergänzt durch einen historischen Wochenschau-Beitrag. Anhand typischer Marker wird gezeigt, wie technische Versprechen inszeniert werden und warum sie überzeugend wirken. Diese Muster tauchen später bei Steorn erneut auf.

Im Zentrum der Folge steht die Chronologie von Steorn, basierend auf Barry J. Whytes Buch The Impossible Dream, ergänzt durch eigene Erlebnisse aus Foren, Diskussionen und direkten Gesprächen. Vom wirtschaftlichen Aufbruch des Celtic Tiger über die berühmte Economist-Anzeige bis zum Jury-Statement wird deutlich, wie sich Irrtum, Selbstüberschätzung, Druck und Eskalation gegenseitig verstärken können.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des angewandten Zweifels. Statt pauschaler Skepsis geht es um einen praktischen Werkzeugkasten aus Logik, Psychologie, Rhetorik und Technik. Ziel ist eine heuristische Einschätzung, die mit Wiedervorlage arbeitet und Komplexität zulässt.

Als Fehlschluss der Woche wird Namedropping behandelt. Prominente Namen erzeugen Vertrauen, ersetzen jedoch keine Evidenz. Die Folge zeigt, wie dieses Muster bei Steorn funktioniert und warum es so wirksam ist.

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WH05 Spiel

Do, 11.12.2025

In der fünften Folge von Ware Hoffnung wird gespielt – allerdings nicht mit Karten, sondern mit Illusionen. Angus McKenna, Gründer der Firma Stiúir Ltd., hat genug von Werbekampagnen und Webseiten. Ihn reizt der Nervenkitzel, die Welt zu täuschen – und vielleicht sich selbst gleich mit. Seine neueste Erfindung ist kein technisches Wunder, sondern ein Kunstwerk aus Glas, Licht und Magneten. Eine Maschine, die nichts tut, außer zu glänzen – und genau darin liegt ihre Wirkung.

Im Zentrum der Folge steht die Frage, warum Menschen immer wieder an das Unmögliche glauben. Warum der Traum vom Perpetuum mobile, von der Maschine, die Energie aus dem Nichts erzeugt, auch nach Jahrhunderten noch fasziniert. Der historische Rückblick auf Johann Bessler zeigt, wie geschickt Täuschung und Wissenschaftsbegeisterung ineinandergreifen können – selbst Fürsten und Mathematiker ließen sich blenden. Und im modernen Dublin taucht dieser Traum erneut auf: in Form der Firma Steorn, die einst mit Anzeigen und Vorführungen von „freier Energie“ Schlagzeilen machte und als reale Vorlage für dieses Kapitelt diente.

Doch Ware Hoffnung bleibt nicht bei der Technik. Es geht um Denkfehler, Selbsttäuschung und die Psychologie des Glaubens: den Bestätigungsfehler, die versunkenen Kosten, den Dunning-Kruger-Effekt. McKenna steht für all das – den Spieler, der immer noch eine Karte mehr zieht, weil er sicher ist, diesmal zu gewinnen. Und während seine Maschine surrt und leuchtet, erkennt man: Das eigentliche Spiel findet nicht im Labor statt, sondern in unseren Köpfen.

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Esoterik für Männer: Der Magnetmotor

Sa, 05.08.2023

An meine ersten Experimente mit Magneten kann ich mich noch gut erinnern. Mein Vater brachte mir diese schwarzen Magnetstreifen mit, die in Kühlschranktüren verbaut sind. Je nachdem, wie man sie hält, ziehen sie sich an oder stoßen sich ab. Diese Kräfte sollten sich doch irgendwie nutzen lassen und so versuchte ich, Magnetstücke kreisförmig auf einer Scheibe anzuordnen und in eine Drehbewegung zu versetzen.

Das funktionierte natürlich nur so lange, wie ich einen weiteren Magneten am Rand der Scheibe bewegte. Eine völlig selbsttätige Bewegung war so nicht zu erreichen, wie ich bald feststellte.

Diese Erkenntnis hatten viele erwachsene Menschen bis heute nicht und so ist diese Konstruktion immer noch ein beliebtes Geschäftsmodell, um Leute mit mehr Geld als Hirn von ihrem Ersparten zu trennen.

Die ersten Aufzeichungen über eine derartige Konstruktion stammen aus dem Jahr 1269 von Petrus Peregrinus de Maricourt, der ein Rad beschrieb, das sich nur durch die Kraft von Permanentmagneten dauerhaft drehen sollte. Möglicherweise war das einfach nur ein Gedankenexperiment, das aber bis heute in Freie-Energie-Kreisen als Beweis gewertet wird, dass ein magnetbasiertes Perpetuum mobile funktionieren kann. Magnetismus ist, ebenso wie Gravitation, eine konservative Kraft. Es ist also nicht möglich, aus einem solchen Feld dauerhaft Energie zu ziehen.

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