Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH11 Reaktion

Do, 22.01.2026

Heute geht es um ein Grundmuster pseudowissenschaftlicher Versprechen, das sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Der Aufhänger ist die Frage, wie Gold überhaupt hergestellt werden kann, und warum genau daran so viele Hoffnungen, Täuschungen und Geschäfte geknüpft wurden.

Ausgehend vom Roman Ware Hoffnung und der Figur Sergio Masso führt die Folge zurück in die Geschichte: zu den Goldmachern der frühen Neuzeit und insbesondere zu Marco Bragadino. Seine Karriere zeigt, wie wirksam Inszenierung, gesellschaftliche Netzwerke und Autorität sein können, wenn echte Prüfung fehlt. Bragadino versprach Gold, gewann Fürsten und Senatoren für sich und lebte von Aufschub und Erwartung – bis das Versprechen nicht länger tragfähig war.

Von dort schlägt die Folge den Bogen in die Gegenwart. Begriffe ändern sich, Kulissen auch, doch das Muster bleibt stabil. Große Ankündigungen, beeindruckende Vorführungen und prominente Unterstützer erzeugen Glaubwürdigkeit, lange bevor überprüfbare Ergebnisse vorliegen.

Ein zentraler Teil der Folge widmet sich daher einer begrifflichen Klärung: Was ist der Unterschied zwischen Beweis, Beleg und Evidenz? Warum sind Augenzeugenberichte und persönliche Erfahrungen so überzeugend – und warum reichen sie wissenschaftlich nicht aus? Der historische Weg von Bacon über Locke und Hume bis zu Kuhn und Popper zeigt, wie sich empirisches Denken entwickelt hat und warum Skepsis kein Misstrauen, sondern ein Werkzeug ist.

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WH04 Genie

Do, 04.12.2025

Diese Folge behandelt Kapitel 4 des Romans Ware Hoffnung. Der bereits aus Kapitel 2 bekannte Sergio Masso bereitet seinen nächsten großen Coup vor. Er will der Welt zeigen, dass er angeblich die „kalte Fusion“ beherrscht – eine Energiequelle, die so revolutionär wäre, dass sie alle bekannten Technologien überflüssig machen würde. Doch schnell wird klar: Masso interessiert sich weniger für Physik als für die Wirkung einer guten Inszenierung.

Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen solcher Experimente. Was macht sie so überzeugend, obwohl sie wissenschaftlich kaum haltbar sind? Warum können selbst erfahrene Wissenschaftler auf eine clevere Show hereinfallen? Und weshalb reicht manchmal ein Kittel, ein Diagramm und ein energischer Tonfall, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen?

Außerdem erkläre ich, was hinter dem Begriff „kalte Fusion“ eigentlich steckt – und warum dieser Traum bis heute nicht eingelöst wurde. Massos Versuch, den Anschein eines Genies zu erwecken, ist ein gutes Beispiel dafür, wie leicht sich Hoffnung instrumentalisieren lässt.

Folge vier zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Wissenschaft und Scheinwissenschaft werden kann, sobald jemand bereit ist, die richtigen Bilder zu liefern – und die falschen Versprechen dazu.

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