Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH12 Werkzeug

Do, 29.01.2026

Was heißt es eigentlich, „vernünftig“ zu denken? In dieser Folge geht es um Werkzeuge des Zweifelns – und um ihre Grenzen. Ausgangspunkt ist Kapitel 12 des Romans Ware Hoffnung, in dem der Begriff „Werkzeug“ wörtlich genommen wird: als methodisches Instrument, nicht als Abkürzung.

Zunächst geht es um den gesunden Menschenverstand. Er wirkt vertraut und überzeugend, ist aber kein Erkenntniskriterium. Historisch lag er oft daneben, logisch ist er zirkulär, rhetorisch beendet er Diskussionen, statt sie zu führen. Für kritisches Denken ist er deshalb ein Warnsignal, kein Argument.

Im Zentrum der Folge steht Ockhams Rasiermesser. Entgegen der populären Verkürzung ist es kein Wahrheitsprinzip, sondern eine Heuristik. Es greift nur dann, wenn mehrere Erklärungen denselben Sachverhalt gleich gut erklären. Einfachheit ersetzt keine Belege. Wer das übersieht, landet schnell bei unterkomplexen Erklärungen.

Das zeigt der reale Fall von Stanley Meyer besonders deutlich. Seine „Water Fuel Cell“ knüpft an bekannte Effekte wie Elektrolyse und Knallgas an, deutet sie aber um. Begriffe wie HHO oder Brown’s Gas erzeugen Hoffnung auf neue Physik, liefern aber keine belastbaren Messungen. Demonstrationen ersetzen keine Energiebilanz.

Eine BBC-Dokumentation macht sichtbar, wie leicht Funktion suggeriert werden kann, wenn Methodik fehlt. Den Gegenentwurf liefert die Analyse von Mark Chu-Carroll, der Ockhams Rasiermesser korrekt auf ähnliche Behauptungen anwendet.

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Die Sache mit dem Wasserauto

Mi, 26.07.2023

Einer der ersten Freie-Energie-Scams, die mir über den Weg gelaufen sind, war das Wasserauto. Das muss ca. 2003 gewesen sein. Zeitungen berichteten über einen Erfinder, der sein Auto nur mit Wasser betankt. Auto-Bild schickte sogar mehrmals Reporter nach Manila, um das Wunderwerk zu besichtigen, probezufahren und den Fortschritt der Entwicklung zu dokumentieren.

Die behauptete Funktionsweise eines Wasserautos sieht so aus:

Mit Hilfe der Batteriespannung wird ein Elektrolysator betrieben, der gewöhnliches Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Dieses Gemisch, in der Szene oft HHO oder Browns Gas genannt (in Wirklichkeit gewöhnliches Knallgas), wird dem Verbrennungsmotor als Treibstoff zugeführt. Über die Lichtmaschine wird die Batterie, genauer der Akkumulator, ständig aufgeladen.

Mir kamen die Behauptungen damals sofort sehr seltsam vor. Bei der Verbrennung des Knallgases entsteht Wasser. Also wäre es, glaubt man den Wassertoff-Tüftlern, doch kein Problem, dieses einzufangen und wieder in den Tank zu leiten. Schon hätten wir eine immerwährende Maschine, ein Perpetuum mobile, das ohne Zufuhr von Energie funktioniert und dabei auch noch Arbeit verrichten kann. Der Wirkungsgrad wäre also größer als 100%.

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