Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH25 Plan

Do, 30.04.2026

In dieser Folge steht Ricardo an einem Wendepunkt. Nach seinen Begegnungen mit fragwürdigen Energieprojekten wird ihm klar, dass er nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Zusammen mit Ragnar, Natalya und Marlen überlegt er, wie man solchen Täuschungen begegnen kann, ohne sich selbst angreifbar zu machen. Aus Ärger wird ein Plan.

Der reale Fall führt nach Österreich: Zur ASFINAG, zur Arlberg-Schnellstraße S16 und zu Gerhard Pirchl, der gefährliche Unfallstellen mit Pendel, Rätia-Steinen und „Gegenadern“ entschärfen wollte. Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick skurril. Bei näherem Hinsehen zeigt sie aber, wie Pseudowissenschaft in Institutionen eindringen kann, wenn echte Probleme, Handlungsdruck, Fachsprache und der Satz „Schaden kann’s ja nicht“ zusammenkommen.

Außerdem geht es diesmal um Recherche als praktische Seite des angewandten Zweifels. Wie findet man alte Quellen? Was leisten archive.org, Google Books, Patentdatenbanken, Firmenregister und wissenschaftliche Literatur? Warum sind Primärquellen so wichtig? Und warum sind Zitatketten noch lange keine Beweisketten?

Zum Abschluss folgt der Fehlschluss der Woche: der Strohmann-Trugschluss. Denn wer eine Diskussion gewinnen will, sollte zuerst auf das antworten, was tatsächlich gesagt wurde.

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WH23 Kraftwerk

Do, 16.04.2026

Wie kann aus ernsthafter Wissenschaft Pseudowissenschaft werden, ohne dass jemand bewusst betrügt? Genau darum geht es in dieser Folge von Ware Hoffnung.

Wir beginnen mit einem fast vergessenes Kapitel der Wissenschaftsgeschichte: die N-Strahlen. 1903 verkündet der angesehene Physiker René Blondlot in Nancy die Entdeckung einer neuen Strahlung. Zahlreiche Forscher bestätigen den Befund, immer neue Eigenschaften werden beschrieben, und für kurze Zeit scheint eine große physikalische Sensation greifbar. Bis Zweifel wachsen und sich zeigt, dass hier etwas ganz anderes am Werk war als eine neue Naturkraft.

Was ist da im Labor eigentlich passiert? Welche Rolle spielten Wahrnehmung, Erwartung, Autorität und Gruppendynamik? Und warum war der Fall nicht nur ein Irrtum einzelner Beobachter, sondern auch ein Problem wissenschaftlicher Kultur?

Von dort führt der Weg zu einer Methode, die heute selbstverständlich wirkt und damals vieles hätte verhindern können: Verblindung. Was bedeutet einfachblind, doppelblind, dreifachblind? Warum ist das nicht nur in der Medizin wichtig, sondern auch bei der Prüfung paranormaler Behauptungen, etwa bei Wünschelruten? Und wie lässt sich dieses Prinzip ganz bodenständig in den Alltag übersetzen?

Eine Folge über akademische Selbsttäuschung, über den Erwartungseffekt und darüber, warum gute Wissenschaft nicht deshalb stark ist, weil Menschen unfehlbar wären, sondern weil sie gelernt hat, sich selbst nicht blind zu vertrauen.

Episodenbild: Vulvani, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Wünschelrute und Pendel – Der Carpenter-Effekt

Fr, 11.08.2023

Kürzlich hatte ich wieder eine dieser merkwürdigen Diskussionen:

„Ich kenne da einen Brunnenbauer, der findet mit der Wünschelrute jede Wasserader. Das klappt immer!“

Was antwortet man da am besten? Ich habe mich darauf beschränkt, dass man bei uns fast überall Wasser findet, wenn man ein Loch in den Boden bohrt und deshalb die Trefferquote des feinsinnigen Brunnenbauers naturgemäß sehr hoch ist. Tiefer wollte ich in das Thema nicht einsteigen.

Aber warum sind Rutengänger davon überzeugt, zwei Drahtstücke ließen sich irgendwie vom Wasser so beeindrucken, dass sie anfangen zu zucken?

Dahinter steckt wieder einmal eine Selbsttäuschung. Diesmal ist es aber nicht direkt die Wahrnehmung über die Sinne, die uns veralbert, sondern unsere Muskeln. Die können nämlich kleinste Bewegungen ausführen, ohne dass wir das merken. Diese unbewussten Aktionen führen dazu, dass ein Pendel in einer bestimmten Richtung schwingt, die Wünschelrute ausschlägt oder der Finger auf dem Ouija-Board ein bestimmtes Buchstabenfeld ansteuert.

Die Bewegungen führen dabei zu einem erwünschten Ergebnis, das uns aber nicht unbedingt bewusst sein muss. Im Falle der Wünschelrute können das äußere Einflüsse sein, etwa eine bestimmte Vegetation oder andere Merkmale der Umgebung. Rutengänger sind sich allerdings sehr sicher, dass sie das Ergebnis nicht selbst beeinflussen.

Aber wie können wir wissen, dass es nicht doch eine unbekannte, mystische Kraft gibt, die Rute, Pendel etc. beeinflusst? Zunächst hilft da Ockhams Rasiermesser, also die Methode, unter vielen möglichen Erklärungen jene mit den wenigsten notwendigen Nebenbedingungen zu bevorzugen. Der ideomotorische Effekt oder Carpenter-Effekt ist bekannt und gut erforscht. Das macht andere Erklärungen weitgehend überflüssig, besonders wenn diese allem widersprechen, was wir über die Natur wissen. Erdstrahlen und Wasseradern zu erfinden ist schlicht nicht notwendig.

Sollte man das Phänomen Rutengehen trotzdem weiter erforschen? Natürlich, das wird ja auch gemacht. Die GWUP etwa hat in unzähligen verblindeten Versuchen und unterschiedlichen Settings mit Probanden, die auf die ausgelobten 10.000 Euro hofften, deutlich gezeigt, dass unter kontrollierten Bedingungen von den angeblichen Fähigkeiten nur Zufallstreffere übrig bleiben.

Natürlich könnten wir lächelnd darüber hinwegsehen, dass es trotzdem Menschen gibt, die fest an solche übernatürlichen Fähigkeiten glauben. Spätestens, wenn dadurch eine Gefahr für Leib und Leben besteht, ist es jedoch mit dem Spaß vorbei. Etwa dann, wenn Heilpraktiker und andere Scharlatane behaupten, mit Hilfe von Pendeln oder Tensoren ernsthafte gesundheitliche Diagnosen stellen zu können.

Unter der Bezeichnung ADE 651 vermarktete ein britischer Geschäftsmann ein wünschelrutenartiges Gerät, das beim Aufspüren von Sprengstoffen helfen sollte. Für bis zu 40.000 Euro wurden diese Apparate unter anderem an Polizei und Militär im Irak verkauft. Der Chef des Unternehmens, Jim McCormick, wurde später wegen Betruges zu 10 Jahren Haft verurteilt.

In solchen Fällen kann kritisches Denken Leben retten. Vielleicht hätte aber auch ein Blick auf das Innenleben dieser Geräte schon geholfen.

 

 

Links:

Psiram: ADE 651

Psiram: Biotensor

Psiram: Ouija

Wikipedia: Carpenter-Effekt

Tagesspiegel: Dr. Rainer Wolf u.a. über die PSI-Tests der GWUP

PSI-Tests 2017 der GWUP: Die geheime Kraft der Wünschelrute ließ zu wünschen übrig